Von der IG FÜR Mitglied Rainer Mihr
Überraschung: Unsere Böden sind die Grundlage für Ernährung, Wasserhaushalt und Klimaschutz. Sie sind mehr als Basis für landwirtschaftliche Produktion – der Boden ist ein lebendiges Ökosystem, das unsere Ernährung, unser Klima und unsere Zukunft trägt. Das habe ich im Gespräch mit Franz Rösl von der Interessengemeinschaft Gesunder Boden gelernt, der beim Symposium "Gesunder Boden - Gesunder Genuss" am 12. September in Fulda referiert. Der Titel ist Programm. Denn genau dieses Fundament wird schon lange geschwächt: Jahrzehnte intensiver Landwirtschaft fordern Tribut. Überdüngung, Pestizide, Monokulturen stressen den Boden. Beispiel: 1047 chemische Substanzen dürfen auf deutschen Feldern ausgebracht werden - völlig legal. So steht es im neuesten Schwarzbuch der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser, die sich verständlicherweise um die Lebensgrundlage Wasser sorgt. Die Agrarpolitik fast aller Regierungen aber fördert und belohnt die industrielle Landwirtschaft, statt nachhaltige Praktiken zu unterstützen. Das hat praktische Folgen: Humus im Boden geht verloren, Bio-Diversität bricht ein, Ernten werden unsicherer. Das wird teuer - Lebensmittelpreise steigen. Wenn Boden nicht verloren gehen soll, müsste er besser geschützt werden, das verursacht Kosten. Folge: Lebensmittel werden nochmal teurer. Und so geht es weiter. Die Agrarlobby hält strengen Bodenschutz dagegen für „zu teuer“ oder „nicht praktikabel“. Sie hat über Jahre hinweg erfolgreich Reformen ausgebremst, Umweltauflagen verwässert und ein Subventionssystem zementiert, das Fläche statt Verantwortung honoriert. Während Großbetriebe Millionen erhalten, kämpfen kleine, ökologisch wirtschaftende Höfe ums Überleben. Das ist schlicht ungerecht – aber auch gefährlich für unsere Lebensgrundlage. Was leider völlig fehlt, ist der politische Wille, das System zu korrigieren. Dabei gibt es sie längst - die Alternativen und Möglichkeiten: • Leistung statt Fläche fördern: Subventionen sollten sich an ökologischen Kriterien orientieren – etwa Humusaufbau, Artenvielfalt, Wasserschutz und CO₂-Bindung. Wer nachhaltig wirtschaftet, muss belohnt werden. • regionale und kleinere Betriebe mit lokalen Wertschöpfungsketten und Direktvermarktung gezielt unterstützen– nicht nur drüber reden. • Fruchtfolgen und Pestizid-Reduktion verbindlich, heißt gesetzlich, vorschreiben statt freiwillig per Selbstverpflichtung ins „Irgendwann“ verschieben. So würden Bodenleben und Biodiversität geschützt. • Lobbyeinflüsse deutlich machen, politische Entscheidungen offenlegen – inklusive der Interessen, die dahinterstehen. Durchblick für die Demokratie. • Bürokratie abbauen, mehr beraten und bilden. Natürlich brauchen Landwirte praxisnahe Unterstützung beim Umbau ihrer Betriebe und echte Perspektiven - auf Formulare können sie sicher verzichten. Noch ist es machbar, Zeit zum Zögerns ist aber nicht mehr. Noch kann der Boden gerettet werden – und mit ihm die Zukunft der Landwirtschaft. Sonst wird mehr als nur Ernte ausfallen und Preise steigen: Auch die Lebensgrundlage kommender Generationen wackelt. Ein Anfang kann jeder machen.
Die Stimme FÜR gesunde Lebensmittel