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Wir sprachen über das Projekt „Heldenbohne“ und den Zusammenhang von gesunder Ernährung, Longevity und der positiven Wirkung von Hülsenfrüchten auf Boden und Landwirtschaft.

Die Heldenbohne ist aus der Idee entstanden, in Hessen einen konkreten Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung bis 2030 zu leisten. 

Relativ schnell wurde klar, dass Hülsenfrüchte dabei eine Schlüsselrolle spielen können. Sie sind nicht nur sehr vielfältig, sondern auch ökologisch besonders wertvoll: Sie binden Stickstoff im Boden, reduzieren damit den Bedarf an mineralischem Dünger, können längere Dürreperioden ohne Wasser aushalten, verbessern die Fruchtbarkeit der Böden uvm.

Gleichzeitig sind sie ein zentraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Ernährung, etwa im Sinne der Planetary Health Diet. Uns hat besonders überzeugt, dass hier etwas zusammenkommt, das sowohl für die Gesundheit der Menschen als auch für die Landwirtschaft große Wirkung entfalten kann aber auch wirklich spannend für die Gastronomie von morgen ist. Also eine win-win-win Situation.

Der Name „Heldenbohne“ steht genau für dieses Potenzial: eine unterschätzte Kultur, die viel mehr kann, als ihr aktuell zugetraut wird und die wir gemeinsam mit Linsen, Kichererbsen und Co. stärker in der Region fördern wollen.

Welche Rolle können Bohnen im Kontext von Longevity spielen – also für ein langes, gesundes Leben?

Kichererbsen, Bohnen und Co. sind aus ernährungswissenschaftlicher Sicht echte Superhelden. Sie liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiß, viele Ballaststoffe, komplexe Kohlenhydrate und wichtige Mikronährstoffe. Also genau die Kombination, die mit einer langfristig gesunden Ernährung in Verbindung gebracht wird.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine höhere Aufnahme pflanzlicher Proteinquellen, darunter Hülsenfrüchte, mit einer geringeren Gesamtmortalität und einem niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. 

Darüber hinaus fördern die Ballaststoffe in Hülsenfrüchten eine vielfältige Darmflora. Sie dienen den Darmbakterien als Nahrung und werden unter anderem zu kurzkettigen Fettsäuren verstoffwechselt, die entzündungshemmende Wirkungen haben und die Darmgesundheit unterstützen.

Gleichzeitig sorgen Hülsenfrüchte durch ihren hohen Ballaststoffgehalt und die langsam verdaulichen Kohlenhydrate für einen vergleichsweise langsamen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Dadurch bleibt die Sättigung länger erhalten und Heißhungerattacken treten seltener auf. Das kann nicht nur bei der Gewichtskontrolle helfen, sondern auch das Risiko für Übergewicht senken.

Studien zeigen zudem, dass der regelmäßige Verzehr von Hülsenfrüchten mit einer verbesserten Insulinsensitivität und einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Damit tragen sie gleich auf mehreren Ebenen zu einer langfristigen Stoffwechselgesundheit bei.

Nicht ohne Grund spielen Hülsenfrüchte auch in vielen Ernährungsweisen eine wichtige Rolle, die mit gesundem Altern und hoher Lebenserwartung in Verbindung gebracht werden. So gehören sie beispielsweise zu den Grundnahrungsmitteln in den sogenannten „Blue Zones“, also Regionen der Welt, in denen überdurchschnittlich viele Menschen ein hohes Alter bei guter Gesundheit erreichen.

Oder anders gesagt: Bohnen sind kein Trendprodukt, sondern ein jahrtausendealtes Lebensmittel mit erstaunlich aktuellem Potenzial für ein langes und gesundes Leben.

Gibt es eine Win-win-Situation, wenn in der Gemeinschaftsverpflegung mehr Hülsenfrüchte eingesetzt werden – also dadurch der Konsum steigt, der Anbau ausgeweitet wird und Landwirte bessere Absatzmöglichkeiten haben? Und kann dieser Effekt zusätzlich dazu führen, dass mehr Zwischenfrüchte wie Leguminosen angebaut werden, was wiederum die Bodenfruchtbarkeit und den Stickstoffhaushalt verbessert? Gibt es dazu bereits Erkenntnisse aus der Praxis oder Forschung?

Ja, und genau hier liegt einer der spannendsten Hebel. In Deutschland gehen geschätzte 16-17 Millionen Essen jeden Tag über die Theken der Außer-Haus-Verpflegung.

Wenn dort mehr Hülsenfrüchte eingesetzt werden, entsteht zunächst Nachfrage. Diese Nachfrage schafft Planungssicherheit für landwirtschaftliche Betriebe und kann dazu beitragen, dass der Anbau in der Region ausgeweitet wird.

Damit entsteht ein Kreislauf, der in beide Richtungen wirkt: Mehr Nachfrage führt zu mehr Anbau, und mehr Anbau macht regionale Produkte wiederum besser und zuverlässiger verfügbar und attraktiver für die Küche.

Hinzu kommt ein klarer ökologischer Effekt. Hülsenfrüchte verbessern durch ihre Fähigkeit zur Stickstoffbindung die Bodenfruchtbarkeit und können mineralischen Dünger teilweise ersetzen. In Fruchtfolgen wirken sie wie eine natürliche Regenerationskultur und hinterlassen positive und ertragssteigernde Effekte für nachfolgende Pflanzen.

Welche Rolle spielen Leguminosen (Hülsenfrüchte) im Boden für die Fruchtbarkeit – und wie genau profitieren andere Pflanzen davon, dass sie Stickstoff im Boden binden können?

Die genannten Kichererbsen und Co. werden botanisch unter den Körnerleguminosen zusammengefasst. Daneben gibt es weitere Leguminosen wie Klee oder Luzerne. Alle Leguminosen gehen eine besondere Symbiose mit Knöllchenbakterien ein. Diese Bakterien leben an den Wurzeln und sind in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu binden und in pflanzenverfügbare Formen umzuwandeln.

Diese Fähigkeit ist in der Landwirtschaft einzigartig: Keine andere Kulturpflanze ist dazu in der Lage. Dadurch übernehmen Leguminosen eine Schlüsselrolle im Nährstoffkreislauf von Agrarsystemen.

Der so gebundene Stickstoff kommt nicht nur der Pflanze selbst zugute, sondern bleibt nach der Ernte teilweise im Boden zurück und kann von nachfolgenden Kulturen genutzt werden. Dadurch steigt der Ertrag der folgenden Kulturen und sinkt der Bedarf an synthetischem Stickstoffdünger deutlich. Das ist ein relevanter Faktor, da dessen industrielle Herstellung über das energieintensive Haber-Bosch-Verfahren rund 1–2 % des weltweiten Energieverbrauchs verursacht und entsprechend hohe Treibhausgasemissionen verursacht. Gleichzeitig stabilisieren sie die Bodenfruchtbarkeit langfristig und tragen dazu bei, Nährstoffverluste ins Grundwasser zu verringern und die Überdüngung von Gewässern (Eutrophierung) zu reduzieren.

Darüber hinaus verbessern Leguminosen mit ihren weitreichenden Wurzelsystemen die Bodenstruktur, bereiten Böden besser auf Dürren und Starkregenereignisse vor und fördern das Bodenleben. Sie tragen damit zu resilienteren Anbausystemen bei, die weniger externe Betriebsmittel benötigen und gleichzeitig stabilere Erträge ermöglichen.

Genau diese Eigenschaften machen sie zu einem zentralen Baustein für eine nachhaltigere Landwirtschaft und zu einem wichtigen Hebel für die Transformation von Ernährungssystemen insgesamt.


(IG FÜR Redaktion)