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Der Verkauf von tegut… und dass damit verbundene Ende des Unternehmens markiert einen tiefgreifenden und bedauerlichen Einschnitt im Lebensmitteleinzelhandel. Die IG FÜR verbindet mit tegut… eine langjährige und besondere Beziehung – geprägt durch ihren Gründer Georg Sedlmaier sowie die regelmäßigen Vorträge in der tegut…-Kantine in Fulda.

Im Folgenden finden Sie zwei Stellungnahmen von Georg Sedlmaier und dem Vorstandsmitglied Reiner Mihr.

Georg Sedlmaier war viele Jahre Vorstandsmitglied bei tegut…, hat tegut… in den 90er und 00er Jahren entscheidend geprägt. Er hat bis heute eine enge Verbindung zum Unternehmen und beobachtet die Entwicklung intensiv.

Der Name "tegut…" verschwindet zum Jahresende! Da ich zwei Jahrzehnte bei tegut...in Fulda in leitender Aufgabe erfolgreich aktiv sein durfte, bin ich über den unrühmlichen  tegut...! Abschied einfach traurig. Als ich 1990 zu Hawege und tegut kam war nur 1 Promille BIO Anteil beim Umsatz. "Das frisst doch Niemand", bekam ich zu hören. Nach 19 Jahren hatten wir einen Anteil BIO/ Öko weit über 20 %. Wir waren eine Art BIO -Vorreiter und hatten sehr viele regionale Produkte mit kurzen Lieferwegen.

Wir beteiligten uns mit Freude an allen möglichen bundesweiten Wettbewerben. Wiederholt wurden wir im Bundesgebiet als die "beste Obst- und Gemüseabteilung" und in Serie die besten Ausbilder im Berufsnachwuchs ausgezeichnet. Zweimal waren wir erfolgreiche Gastgeber der MLF Mittelständischen Lebensmittel Filialbetriebe in Fulda.

Die friedliche deutsche Wiedervereinigung "beflügelte" unsere gesamte Erfolgsmannschaft und konnten viele neue Konzepte erfolgreich starten und verwirklichen. Ich gründete dann die IG FÜR gesunde Lebensmittel e.V. anfänglich mit nur 20 Engagierten. Jetzt sind wir fast 700 Mitglieder.

Meine Frau sagte: "Wolfgang Gutberlet und Georg haben sich gesucht und gefunden"

Reiner Mihr war 25 Jahre Chefredakteur der Lebensmittel Praxis, dem Branchenmagazin für den Lebensmittelhandel. Er hat ebenfalls den Werdegang von tegut… immer verfolgt - wenn auch aus einer externen Perspektive.

Die geplante - noch steht eine Prüfung durch das Kartellamt aus - Übernahme der meisten Tegut‐Filialen durch Edeka und einiger Märkte durch Rewe ist aus Wettbewerbs‑ und Verbrauchersicht kein reiner Glücksfall - im Gegenteil: ein eigenständiger, mittelgroßer Wettbewerber verschwindet. Damit verstärkt sich die ohnehin schon hohe (zu hohe?) Konzentration auf die vier großen Gruppen Edeka, Rewe, Schwarz‑Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi. 

Vor allem in Hessen und angrenzenden Regionen, wo tegut.. stark vertreten ist, werden vor allem die Edeka-Hessenring und ein wenig auch Rewe ihre lokale Marktmacht ausbauen. Das hat natürlich Folgen: Noch mehr Druck auf die Hersteller und schwindende Auswahl für Verbraucher. Weniger Wettbewerb unter den Händlern bringt auch mehr Preisspielraum für die "großen Vier” - nach oben. 

Wenn man den Bio‑Schwerpunkt, die regionale Ausrichtung und die vergleichsweise werteorientierte Positionierung (eben hoher Bio‑Anteil, regionale Produkte oder auch das vegetarisch/vegane Angebot) von tegut… betrachtet, mit der sich das Unternehmen von vielen klassischen Vollsortimentern abzusetzen versuchte, dürfte nun bei einer Integration in Edeka‑ oder Rewe‑Formate mit sehr viel stärker standardisierten und auf die jeweiligen Kettensysteme ausgerichteten Sortimenten zu rechnen sein. Davon werden wahrscheinlich (wenn überhaupt) nur wenige einzelne Standorte ausgenommen.

Natürlich hat es bei Tegut in den letzten Jahren Fehler gegeben: Vernachlässigung der Filialen, elitäre Sortimentspolitik, wenig durchdachte Expansion und Übernahme, wenig schlüssige Werbung…. Schade ist es trotzdem um ein einst innovatives und fortschrittliches Handelsunternehmen.

Positiv: Die meisten tegut…-Mitarbeiter (immerhin über 7.000) dürften auch eine Perspektive bei Edeka oder anderen haben, außerdem sollten regionale Versorgungslücken durch drohende Schließungen erstmal nicht entstehen. Aber: Weder Edeka noch andere werden unrentable Supermärkte auf längere Sicht betreiben.