Aktueller Kommentar von Dr. Christoph Then, wissenschaftlicher Beirat:
Die EU hat sich im Rahmen von Verhandlungen zwischen EU-Parlament, Ministerrat und Kommission (sogenannter Trilog) auf einen Vorschlag geeinigt, fast alle Pflanzen aus Neuer Gentechnik (NGT) von der bisherigen Verpflichtung der Prüfung von Umweltrisiken auszunehmen. Auch die Vorschriften zur Lebensmittelkennzeichnung und Rückverfolgbarkeit sollen nicht mehr gelten. Wirksame Maßnahmen um Patente auf Saatgut zu stoppen, sind nicht vorgesehen. Schon in wenigen Wochen könnte die finale Abstimmung stattfinden.
Mit der neuen Regulierung würden neue Kriterien eingeführt, die den Anschein erwecken, dass es auch in Zukunft gewisse Regeln und Sicherheitsstandards für die Freisetzung von NGT-Pflanzen geben wird. In Wirklichkeit erhält die Industrie aber einen Freibrief, um diese Pflanzen im Schnellverfahren auf den Markt zu bringen, im Zweifel auch auf Kosten für Mensch und Umwelt. Wird dieser Vorschlag angenommen, zöge sich die EU weitgehend aus ihrer Verantwortung für die Wahrung des Schutzes von Mensch und Umwelt zurück und würde diese den freien Kräften des Marktes überlassen. Noch besteht aber die Chance, dass das EU Parlament und die Mitgliedsstaaten den Vorschlag ablehnen.
Anmerkung der Redaktion: wir als IG FÜR setzen uns seit 20 Jahren für eine klare, transparente Kennzeichnung gentechnikfreier Lebensmittel ein und für den Verbot von Gentechnik-Patenten.
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IG FÜR Redaktion
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