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Die ukrainische Landwirtschaft ist in vielfältiger Weise vom Krieg betroffen: Arbeitskräfte fehlen, teils sind Infrastruktur und Lager zerstört, sogar regionale Lieferketten sind unterbrochen, teils bieten die Höfe Geflüchteten Unterkunft.

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Die ukrainische Landwirtschaft ist in vielfältiger Weise vom Krieg betroffen: Arbeitskräfte fehlen, teils sind Infrastruktur und Lager zerstört, sogar regionale Lieferketten sind unterbrochen, teils bieten die Höfe Geflüchteten Unterkunft. Den ökologischen Sektor könnte dieses Kriegsgeschehen besonders hart treffen, weil die Zertifizierungen mit EU-Anerkennung nicht in gewohnter Weise möglich sind. Das schilderten Landwirt:innen und Unternehmer, die aus der Ukraine zur Biofach angereist waren. Sie engagieren sich dafür, die entstandenen Geschäftskontakte nicht abreißen zu lassen.



„Bitte kaufen Sie ukrainische Bio-Produkte!“, appellierte Sergej Galashevskyy von der ukrainischen Zertifizierungsorganisation organicstandard. www.organicstandard.ua In der Ukraine wurden vor Kriegsbeginn fast 3 Prozent der Flächen zertifiziert ökologisch bewirtschaftet. Wertschöpfungsketten und Verarbeitung begannen sich zu entwickeln. Weil der ukrainische Bio-Standard von der EU anerkannt ist, florierte der Handel: zwischen 7 und 10 Prozent der Bio-Importe in die EU stammten aus der Ukraine. „Damit zählte unser Land zu den wichtigsten fünf Lieferländern für die EU“, berichtete Galashevskyy.



Logistik neu organisiert


Vor Kriegsbeginn exportierten Bio-Unternehmen 40 Prozent der Waren per LKW, noch größere Mengen über die Seehäfen. Weil die Seehäfen blockiert sind, Diesel und Fahrer schwer zu bekommen sind, suchen die Exporteure nach anderen Wegen. Die Bahn, die früher nur etwa 10 Prozent der Bio-Produkte außer Landes brachte, transportiert nun wesentlich mehr Bio-Ware. Hinzu kommt die Binnenschifffahrt über die Donau. Wie erfolgreich die ukrainische Bio-Branche vor Kriegsbeginn exportiert hat, zeigen die Zahlen: Im ersten Halbjahr 2022 wurden knapp 130.000 t Bio-Waren von der Ukraine in die EU und die Schweiz exportiert, berichtete Galashevskyy. Im exportschwachen Jahr 2021 waren es im selben Zeitraum rund 115.000 t. Seit März fließen die Lieferungen mühsamer und summierten sich auf nur knapp 50.000 t, wohingegen 2021 von März bis Juni 84.000 t die Ukraine gen Europa verließen.



Digitalisierung hilfreich


Die ukrainischen Bio-Landwirtinnen und -Landwirte, die im Rahmen der Biofach-Veranstaltung zu Wort kamen, schätzen die Unterstützung aus Deutschland sehr. Dr. Stefan Dreesmann, der die Deutsch-Ukrainische Kooperation Ökolandbau leitet, berichtete, wie wichtig es ist, den Kontakt zu halten. Die gut entwickelte Digitalisierung in der Ukraine habe dafür beste Voraussetzungen geboten. Insbesondere die Öko-Zertifizierung muss in Zeiten des Krieges ungewöhnliche Wege gehen, berichtete Miltiades Krimizis, Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission. Die Bio-Betriebe seien sehr engagiert, ihre Öko-Status zu erhalten, berichtete er.



Die private Spendenbereitschaft für den Ökolandbau in der Ukraine sei überwältigend, sagte Nikolai Fuchs von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft der GLS-Bank. Die Nothilfe für den Ökolandbau in der Ukraine habe mittlerweile 560.000 Euro gesammelt und 520.000 Euro bereits an 150 Betriebe ausbezahlt. „Die Anträge zeigen die große Vielfalt, woran es den Bio-Betrieben in der Ukraine fehlt“, schilderte Evelyne Eberle, die die Anträge erhält. „Zerstörte Landtechnik, untergebrachte Flüchtlinge, Löhne für zusätzliche Helfer, Ernteausfälle – bei all diesen Nöten können wir mit den Spenden helfen“, sagte sie.

Quelle: bioland-Fachmagazin, 27.07.2022

 

Foto: pixabay.com

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