Georg Sedlmaier über die Vielfalt der Ökosysteme.

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In jüngster Zeit ist der Begriff "Biodiversität" vielgenannt. Wenn wir als Kunden unsere prall gefüllten Lebensmittelmärkte in Deutschland mit Lebensmitteln aus aller Welt bestaunen, kommen wir bei diesem Überfluss nicht auf den Gedanken eines Mangels. Ein Lebensmittelüberangebot bringt seit vielen Jahren eine Preissenkungs- und Verdrängungswelle zur Freude vieler Verbraucher. Alles in Hülle und Fülle, möglichst das ganze Jahr über.

Wir stellen aber auch fest, dass die "Mittel zum Leben" oft immer weniger Wertschätzung erfahren. Oft ist Milch billiger als Wasser. 14,6 Prozent unseres monatlichen Einkommens zahlen wir in die gesetzliche Krankenkasse als Beitrag. Im Vergleich dazu fällt der Anteil für Essen und Trinken mit nur 12 Prozent wesentlich geringer aus. Dass die Verschwendung von Lebensmitteln riesige Ausmaße erreicht hat, zeigen folgende Beispiele:

Felix von Löwenstein schreibt in seinem Buch: "Es ist genug da. Für alle. wenn wir den Hunger bekämpfen, nicht die Natur", Knaur Klartext. In Großbritannien landen allein im Haushaltsmüll pro Tag 4,4 Mio. Äpfel, 2,8 Mio. Tomaten, 1,3 Mio. ungeöffnete Joghurtbecher, 1,2 Mio. Würstchen, 700 000 Tafeln Schokolade sowie 300 000 Fertiggerichte!" Eine für die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen durchgeführte Studie schätzt den "food waste" auf Ebene der Verbraucher in den USA und Europa auf 95 bis 115 Kilogramm/ Kopf und Jahr.

Die von mir gegründete IG FÜR gesunde Lebensmittel e. V. beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der immer aktuelleren Frage: "Gehen uns die guten Lebensmittel aus?" Am 11. September findet im Haus der Hessischen Landesvertretung in Berlin unser IG FÜR Symposium "Ausgesummt - Biodiversität und Artenvielfalt" statt. Vom BUND wissen wir, dass 3 000 Insektenarten auf der Roten Liste stehen oder schon ausgestorben sind. Erleben wir etwa bald einen "Stummen Frühling", weil die Vögel ihre Jungen nicht mehr genügend füttern können?

Kürzlich nahmen ein EDEKA und REWE Discountmarkt in Deutschland alle Sortimente aus ihren Supermarktregalen, deren Herstellung von der Bienenbestäubung abhängig ist. 60 Prozent der Lebensmittelregale blieben dadurch leer. Das kann nachdenklich machen! Wenige Unternehmen kontrollieren den Saatgutmarkt: Nicht weniger dramatisch ist der zunehmende Verlust an Vielfalt in der Landwirtschaft. Von den über 7 000 Pflanzenarten, die für die menschliche Ernährung kultiviert wurden, liefern heute nur noch 15 Pflanzenarten ungefähr 90 Prozent der menschlichen Nahrung weltweit und acht Tierarten. Das Holstein Rind mit einem Anteil von 90 Prozent aller weltweit gehaltenen Milchkühe hat schon ein Monopol. Bei der Geflügelzucht sind es weltweit im Wesentlichen nur noch drei Unternehmen. Dies ist eine gefährliche genetische Verengung, die durch die Agro-Gentechnik nur noch verstärkt wird.

In Ländern wie in den USA, Brasilien und Argentinien findet ein Wettrüsten gegen resistente Unkräuter und Schädlinge statt. In verschiedenen Regionen ist die Kontrolle über die Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen bereits entglitten (siehe Dr. Christoph Then: Agro-Gentechnik - Die Folgen für Landwirtschaft, Mensch und Umwelt, oekom Verlag 2015). Ich verweise in diesem Zusammenhang auch auf mein Buch: "Vielfalt statt Einfalt" mit 21 Berichten zum Leben und Essen im Einklang mit der Natur aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Peru und Ägypten  - BOD Verlag 2014. Mein sechstes neuestes Buch: "Ist Essen Religion?" mit 13 internationalen Beiträgen bietet eine Reise durch die Weltreligionen und eine Wiederentdeckung traditioneller Werte und gibt viele Denkanstöße (erschienen im BOD Verlag 2017, nur 9,90 €). Auch unser Internetauftritt zeigt positive "FÜR Wege" in die Ernährungs-Zukunft auf (www.ig-fuer.de).

Von Georg Sedlmaier

Termine und Veranstaltungen

Ob Symposium, Fachtagungen, Vorträge oder Vorstandstreffen, hier informieren wir Sie über kommende Veranstaltungen der
IG FÜR in den Arbeitsgruppen Fulda und Kempten.

Arbeitsgruppe Fulda

Jeden ersten Montag des Monats organisiert die IG FÜR interessante Vorträge in Fulda rund um die Themen Gesundheit und nachhaltiges Leben.

Veranstaltungsort: tegut… Zentrale,
Betriebskantine (EG), Gerloser Weg 72, 36039 Fulda

Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen!

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Arbeitsgruppe Kempten

Jeden letzten Mittwoch des Monats organisiert die IG FÜR interessante Vorträge in Kempten rund um die Themen Gesundheit und nachhaltiges Leben.

Veranstaltungsort: 's Lorenz, Prälat-Götz-Straße 2, 87439 Kempten; Telefon: 0831 28584

Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen!

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IG FÜR Unterwegs

Immer mittendrin, immer im Austausch. Die IG FÜR sucht den Kontakt mit der Öffentlichkeit, um so ein gesellschaftliches Bewusstsein von der Bedeutung gesunder Lebensmittel für die Gesundheit der Menschen zu fördern.

Weitere IG FÜR Unterwegs Beiträge

IG FÜR MAGAZIN

Die IG FÜR gibt in regelmäßigen Abständen das IG FÜR Magazin (ehem. IG FÜR Zeitung) heraus, um ihre Mitglieder rund um das Thema „Lebensmittel sind Mittel zum Leben“ und über die Aktivitäten der IG FÜR zu informieren. Die aktuellen Ausgaben finden Sie hier zum Download. Viel Spass beim Schmökern!

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IG FÜR MAGAZIN 2/2019

  • Symposium "Klima-Wende jetzt! Mit dem Einkaufszettel die Welt retten?"
    am 12. September in Berlin - Referentenvorstellung
  • "Kleine Gase - Große Wirkung: Der Klimawandel"
  • Nanomaterialien - kein Zwerg kommt durch die Hintertür
  • Das Lebensmittel Wasser
  • Algen - das Superfood aus dem Meer

Ausgaben 2019: Nr. 1 / Nr. 2
Ausgaben 2018: Nr. 3Nr. 2 / Nr. 1
Ausgaben 2017: Nr. 3 / Nr. 2 / Nr. 1
Ausgaben 2016: Nr. 4 / Nr. 3 / Nr. 2 / Nr. 1
Ausgaben 2015: Nr. 3 / Nr. 2 / Nr. 1
Ausgaben 2014: Nr. 3 / Nr. 2 / Nr. 1
Ausgaben 2013: Nr. 3 / Nr. 2 / Nr. 1


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