Schutz der Umwelt vor künstlichen Lebewesen

Die Synthetische Biologie definiert das Leben und seinen Wert technisch: Durch die Reduzierung auf die Erbsubstanz (DNA) wird seine Manipulation, Patentierung und wirtschaftliche Verwertung zum Programm. Gene werden im Labor synthetisch hergestellt und neue Organismen am Reißbrett entworfen.

Anders als bei der Gentechnik werden bei der Synthetischen Biologie also nicht nur einzelne Gene verändert, sondern Lebewesen mit vollständig künstlichem Erbgut geschaffen. Es geht nicht darum, die Grundlagen des Lebens zu verstehen, Ziel ist vielmehr die Herstellung neuer Lebensformen zur industriellen Nutzung.



Mögliche Anwendungsgebiete findet die Synthetische Biologie in der Medizin, der Landwirtschaft und bei der Erzeugung von Energie. Die neue Technologie wird als wahre Wunderwaffe im Kampf gegen Krankheit, Hunger und den Klimawandel propagiert. Im Vordergrund stehen konkrete technische Anwendungen wie die Herstellung von neuen Treibstoffen („Synthi-Fuels“), Impfstoffen oder Enzymen. Die Biologie soll sich als eine Ingenieurswissenschaft etablieren, die Leben verändern, herstellen und kontrollieren kann.



Kann und soll man Leben künstlich herstellen? 



Auch wenn die meisten Anwendungen der Synthetischen Biologie bisher nur in der Theorie existieren, scheinen erste Beweise für ihre grundsätzliche Machbarkeit bereits erbracht: 2010 wurde der Öffentlichkeit der erste vermehrungsfähige Organismus präsentiert, dessen Erbgut vollständig im Labor synthetisiert wurde. Dabei wurde die DNA eines bereits existierenden Mikroorganismus kopiert und komplett in einen anderen Organismus überführt.



Es werden verschiedene technische Methoden eingesetzt, um Lebensformen mit künstlichen genetischen Anlagen herzustellen. Hinter allen Ansätzen steht die Vorstellung, dass Leben nicht nur konstruierbar, sondern auch kontrollierbar ist. Diese Idee führt in die Irre: Im Ergebnis ist Leben immer mehr als die Summe einzelner Gene. Selbst wenn sich neue Gene konstruieren lassen, wird es nur sehr begrenzt möglich sein, die Eigenschaften der daraus entstehenden Lebensformen genau zu bestimmen. Darüber hinaus sind die Folgen von Freisetzungen und möglichen Wechselwirkungen mit der Umwelt nicht vorherzusehen.



Die ethischen, soziokulturellen, ökologischen und naturwissenschaftlichen Fragen, die sich in der Debatte um künstliches Leben stellen, sind längst noch nicht beantwortet. 



Es stellt sich die zentrale Frage nach der gesellschaftlichen Legitimation der Synthetischen Biologie: Wie kann die Gesellschaft an Entscheidungen über diese weitreichenden technischen Entwicklungen teilhaben? Um über den künftigen Diskurs und Kurs in diesem Bereich der Biotechnologie zu entscheiden, brauchen Gesellschaft, Wissenschaft, Industrie und Politik ausreichend Zeit.

Mehr Informationen finden Sie in der Broschüre "Schutz der Umwelt vor künstlichen Lebewesen!" - herausgegeben von Testbiotech e. V. Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie mit der Unterstützung von tegut… gute Lebensmittel 

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