Wissen wir was uns ernährt? Was bedeutet der Begriff „Lebensmittel“ für uns? Was ist mit „BIO“ gemeint?

Die allgemeine Auffassung, dass alle Lebewesen ihren Körper aus Nährstoffen aufbauen, erneuern und erhalten, trifft, so lange der Organismus lebt, scheinbar zu. Jeder abgestorbene Körper aber, der alle Nährstoffe noch enthält, verliert nach dem Tod allmählich seine Form, zerfällt in seine Teile und löst sich auf.

Es sind die Kräfte des Lebens, die organische Stoffe bilden, erhalten und Körper aufbauen. Zum Erneuern müssen körpereigene Stoffe wieder abgebaut und ausgeschieden werden. Solchen Stoffwechsel vollziehen alle lebenden Organismen. In den Pflanzen z.B. werden organische Stoffe jeweils anders gebildet und rückgebildet, während sie wachsen, blühen, fruchten und reifen.

Die Bio-Chemie analysiert mit ihren Methoden diese organischen Stoffe, die durch Lebensprozesse entstanden sind. Zu den Kräften, oder besser Bildekräften des Lebens, die Zucker, Eiweiß und Fette aus leblosen Elementen bilden, kann sie keine Aussagen machen. Deshalb muss für ein ganzheitliches Verständnis das bloße Stoffkonzept der Biochemie, durch ein Kräftekonzept in der Biologie ergänzt werden, um den Anforderungen die Leben und Lebewesen an uns Menschen stellen, besser entsprechen zu können.

Wie entsteht denn Leben?
Die Sonne ist der Licht- und Lebensquell für alles, was auf der Erde lebt. Ihr Licht regt die grüne Pflanzenwelt zur sogenannten Photosynthese an, wodurch die Pflanze, unter Verbrauch von Wärme, Licht in Leben transformiert. Somit ist Leben metamorphosiertes Licht.

Und wie geschieht das?
Das Sonnenlicht trifft auf das lichtverwandte Magnesium im Blattgrün, dem Chlorophyll. Dieses gibt das Licht an die anorganischen Stoffe im Blatt ab. Zu dem Sonnenlicht nimmt die Pflanze aus der Luft die Kohlensäure auf und bildet daraus, zusammen mit Wasser, die Kohlenhydrate, also Zucker und Stärke. Daraus entsteht auch die Zellulose für das feste Stützgerüst. So bilden die vom Licht bewirkten Lebensprozesse eine feste, organisch strukturierte, lebendige, sich entwickelnde, räumliche Gestalt.
Chemisch wird dies Wunder so beschrieben: Mit Hilfe des Sonnenlichtes entsteht in grünen Pflanzen aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker. Dabei wird Sauerstoff frei. (6 H2O + 6 CO2 → C6H12O6 + 6 O2)
Nur grüne Pflanzen können ausschließlich anorganische Stoffe aufnehmen, um zu leben. Sie vermitteln ihr Leben dann an Mensch und Tier. Denn diese können sich nur von organischen Stoffen ernähren, die also pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sind. Diese bleiben eine Zeit lang weiter Träger von Lebenskräften, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Deshalb können „Lebensmittel“ auch als „Lebensvermittler“ verstanden werden, die uns mit organischen Stoffen und ihren Bildekräften ernähren.

Wenn der Mensch Lebensmittel isst, dann kehrt er bei der Verdauung die oben beschriebene Bildung von organischen Substanzen um. Er löst sie wieder auf.
Im Mund wird Festes zerkleinert, im Magen verflüssigt im Dünndarm schaumig, luftig. Hier werden alle Nahrungsbestandteile mit Hilfe der Verdauungssäfte „verluftet“ d.h. in ein molekulares Stoffgemisch zerlegt. Ziel der auflösenden Tätigkeiten im Dünndarm ist, dass alle chemischen Bindungen und Strukturen aufgelöst werden.

Wozu dient das alles? Damit alles Fremde von dem Stofflichen, das wir aus der Nahrung über den Darm ins Blut aufnehmen, soweit eliminiert ist, dass in den inneren Organen daraus neu belebte, körpereigene, menschliche Substanz entstehen kann. Auch die lichtverwandten Bildekräfte vom Salat, vom Schnitzel, vom Fisch müssen frei werden, um die individuellen Bildekräfte menschlichen Lebens zu erfrischen und zu stärken. Ein Bild dafür kann das Kaminfeuer sein, das Licht und Wärme, die im Holz gebunden waren, freisetzt, um die bestehende Temperatur im Zimmer zu erhöhen und die Dunkelheit zu erhellen.

Unser Verstehen von Leben bestimmt unser Denken über Lebensmittel und deren Bedeutung für unser Sein und unsere Entwicklung. Das wirkt sich auch auf die Landwirtschaft aus, die Düngung des Bodens, die Gesundheit von Pflanzen und Tieren und die Kulturlandschaft. In diesem Kontext zu arbeiten und zu wirtschaften ist Ziel von BIO.

Autoren:
Dr. Jürgen Schürholz, Internist, ehemaliger leitender Arzt der Filderklinik
Wolfgang Gutberlet, ehemaliger Vorstandsvorsitzender tegut… gute Lebensmittel


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