Glyphosat: Eine Zwischenbilanz

Spritzmittel pixabayGlyphosat – Kein anderes Pflanzengift wird in Deutschland und der Welt häufiger eingesetzt. Die Befürworter sehen in Glyphosat ein Wundermittel, die Gegner eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Wie ist der Stand der Debatte? – Von Dr. Renate Pusch-Beier

Im März 2015 bewertete die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC das weltweit meist gebrauchte Pestizid – Wirkstoff des Herbizids „Roundup“ – als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen.

Im Gegensatz dazu stehen andere Expertengremien wie z.B. das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) , die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA),  Hersteller wie Monsanto oder Syngenta. Diese halten das Pestizid bei vorschriftsmäßigem Einsatz für gesundheitlich unbedenklich.

Im Juni 2016 musste über die erneute Zulassung von Glyphosat entschieden werden. Die EU-Mitgliedsstaaten kamen zu keinem Entschluss, weil die großen Mitgliedsstaaten, zu denen Deutschland gehört, sich bei der Abstimmung enthielten. Folglich entschied die EU-Kommission und verlängerte die Zulassung um 18 Monate. Es gelten jedoch jetzt schärfere Auflagen: So ist der Einsatz in öffentlichen Parks, auf Kinderspielplätzen und bei der Vorernte nur noch begrenzt erlaubt. Es gilt darüber hinaus ein Verbot besonders giftigen Beistoffe aus der Gruppe der POE-Tallowamine in glyphosathaltigen Herbiziden. Bis Ende 2017 soll die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) den Sachverhalt klären. Wird Glyphosat als krebserregend für den Menschen eingestuft, müsste es verboten werden.

In Deutschland werden 5.000 bis 6.000 Tonnen Glyphosat pro Jahr in der Landwirtschaft auf ca. 40 Prozentder Ackerflächen und in Kleingärten eingesetzt. Weitere Pestizide in verschiedenen Produkten werden auf Feldern, Obst- und Weinbauplantagen, in wirtschaftlich genutzten Wäldern, auch in Gärtnereien, Parkanlagen, Friedhöfen, Privatgärten, Bahndämmen usw. eingesetzt.

Wie wirkt Glyphosat in der Pflanze? Das Herbizid hemmt die Eiweißbildung und führt so zu Wachstumsstillstand und Absterben der Pflanze. Glyphosat beeinflusst den Stoffwechsel und schwächt die Krankheitsabwehr. Herbizidresistente Soja ist anfälliger für Schädlingsbefall und liefert geringere Erträge als konventionelle Soja.Der Anbau von herbizidresistenten Pflanzen führt nicht zur Reduktion des Herbizidverbrauchs, wie von den Herstellern versprochen, sondern im Gegenteil zum Anstieg des Verbrauchs, da es zu Resistenzentwicklung bei Beikräutern kommt.

Pestizide verursachen ökologische Schäden: Sie gefährden die Artenvielfalt und nehmen als Rückstände im Boden Einfluss auf die Bodenfauna und die Tierwelt in Gewässern. Glyphosat beeinträchtigt die Bienenorientierung, beeinflusst die Aktivität und Fruchtbarkeit der Regenwürmer, schädigt aquatische Organismen (Plankton), tötet Kaulquappen, gilt als verantwortlich für Missbildungen bei Amphibien. Es  tötet außer Schädlingen auch Schmetterlinge (Abnahme der Monarchfalter in Nordamerika), Spinnen, Vögel  und Insekten. Totalherbizide wie Glyphosat vernichten sämtliche Wildkräuter auf dem Acker. Als Folge davon gehen die Bestände von Feldvögeln zurück, weil sie nicht mehr genug Nahrung finden.

Auch für den Menschen ist es nicht unbedenklich: Rückstände von Glyphosat finden sich in der Nahrungskette und gelangen über die Ernährung in den Körper von Verbrauchern. Glyphosat wird im Urin nachgewiesen. Die Aufnahme erfolgt über die Haut und Atmung bei nicht sachgemäßer Anwendung. Es schädigt Zellen, schwächt das Immunsystem, beeinträchtigt möglicherweise die Funktion menschlicher und tierischer Darmbakterien durch Rückstände im Futter.

Glyphosat und einige andere Pflanzenschutzmittel beeinflussen das Hormon-System von Mensch und Tier. Endogene Störungen wie verminderte Fruchtbarkeit, Störung der Embryonalentwicklung, Hemmung der Östrogen-Synthese treten auf. Diese Substanzen werden zu den endokrinen Disruptoren gezählt. Die Gefährdung des Menschen ist jedoch selbst unter Experten umstritten. Die WHO hat endokrine Disruptoren zur globalen Gesundheitsgefahr erklärt.

Mit dem Anstieg des Anbaus herbizidresistenter Pflanzen steigt der Verbrauch der Herbizide. Damit sind Risiken für die Umwelt wie Vergiftung von  Böden und Gewässern und konkrete Gesundheitsgefahren für den Menschen verbunden. In Gen-Soja-Anbaugebieten in USA, Kanada und insbesondere Brasilien und Argentinien treten bei Menschen, die in unmittelbarer Umgebung der Felder leben, vermehrt Krebs, embryonale Missbildungen und Schwangerschaftsabbrüche auf.

Erschienen in der IG FÜR Zeitung 4/2016.

Dr. Renate Pusch Beier ist Dipl.-Biochemikerin und engagiert sich seit Jahren gegen Gentechnik, Nanotechnologie, Schadstoffe in Lebensmitteln und deren Verpackungen sowie gegen Massentierhaltung. Weiterführende Informationen auch bei „Informationsdienst Gentechnik“ unter www.keine-gentechnik.de


Copyright © 2017 - Interessengemeinschaft FÜR gesunde Lebensmittel e.V.